digital ambient * Raum für Kunst und kreatives Handeln

Kunstprojekte

Wahrnehmung und Identifikation

Ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt

Die Entwicklungen der Zeiten haben nur wenig Einfluss auf die grundlegenden Gesetze menschlicher Existenz.
Henry David Thoreau, Philosoph (1817-1862)
Städte sind Orte der Identifikation. Sie sind Raum für ein »gutes Leben«. Hier verbindet sich Arbeit, Freizeit, Bildung und Kultur.“
Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt

Eine Aufführung des Stummfilms „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ aus dem Jahr 1927 hat mich im Herbst 2014 mit der Frage zurückgelassen, welche Bilder heute das Gesicht von Städten prägen.
Welche Architektur, welche Formensprache, welche Gebäudetypen, welche Inszenierungen im Raum prägen die tägliche Wahrnehmung von Stadt? Welche optischen Eindrücke tragen dazu bei, eine Identifikation mit der „eigenen“ Stadt aufzubauen?
Welche städtebaulichen Schwerpunkte fallen einem als Tourist ins Auge? Welche Architektur lässt erkennen, dass ich jetzt in dieser bestimmten Stadt bin, und nicht in einer anderen? Was macht den Charakter einer Stadt aus?
Mit der Kamera in der Hand bin ich bei meinen nächsten Stadtaufenthalten diesen Fragen auf den Grund gegangen und habe das festgehalten, was für mich den Charakter und das Besondere einer Stadt deutlich gemacht hat.

„Die Geometrie ist sozusagen die Grammatik der Form. Sie ist ihr architektonisches Prinzip.“
Frank Lloyd Wright, Architekt (1867-1959)
„Ein Bild muss einladen zum Hinsehen, zum Erforschen. Man muss wissen wollen, was das ist.“
Henry Schirmer, Verleger (Zitat vom 16.12.2014)

Für mich ist die Architektur einer Stadt, das Typische nicht in einer einzigen Perspektive einzufangen. Deshalb bildet das Stillmittel des Compositings, dass es erlaubt, mehrere Perspektiven in einem Bild zu vereinen, für mich die optimale Grundlage, um die Vielschichtigkeit der visuellen Eindrücke und räumlichen Erfahrungen in einer Stadt wiederzugeben.

Mikrokosmos und Makrokosmos

Fraktalkunst

Ein Fraktal ist das Ergebnis eines unendlich wiederholten rekursiven Erzeugungsprozesses mit beständigen kleinen Mutationen und Veränderungen. Der Schöpfungs- und Innovationsprozess, der sich in den fraktalen Mengen ausdrückt, findet sich sowohl in kreativen Ideen als auch in evolutionären biologischen Prozessen wieder.

Fraktale gestatten uns, in das Urmeer der Strukturen und Systeme einzutauchen, die wir mit der Zeit beherrschen werden. Die fraktale Geometrie bietet Analogien und Modelle, die uns möglicherweise gestatten, irgendwann ein universelles Gesetzt für den Kosmos zu entdecken.“ Maria Bassa

Sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos sind für das menschliche Auge nicht sichtbare Strukturen von großer Schönheit verborgen. Durch meine Fraktalbilder möchte ich dieser unsichtbaren Formsprache Ausdruck verleihen: Mikroskopische Motive von Blattstrukturen, Lichtreflexen unter Wasser, Zellkernen und DNA-Strängen, Makroskopische Bilder mit der Sicht der Erde aus dem Orbit, von fernen Galaxien und unbekannten Sternen. Doch nicht nur die Natur, auch der menschliche Körper enthält zahlreiche Strukturen mit fraktalen Formen, z. B. in den Nervenbahnen und Blutgefäßen. Fraktale Grafiken bieten damit auch einen neuen Zugang zu der philosophischen Herausforderung, Makrokosmos und Mikrokosmos zu vereinigen, in dem die Formsprache des Großen im Kleinen entdeckt werden kann und umgekehrt.

Die mathematische Formel, die hinter den Fraktalen steckt, ist dabei überraschend simpel und steht im Widerspruch zu der sich daraus ergebenden formenreichen und hochkomplexen Bildwelt:
„Man wähle eine Konstante c und lege den Ausgangspunkt z an den Anfang der Ebene; man ersetzt z durch z*z, addiere die Konstante c und wiederhole das.“ Benoît B. Mandelbrot

Für mich stehen Fraktalbilder für Muster und Ordnungen, die schwer greifbar, aber dennoch präsent sind. Beim Entwerfen von Fraktalbildern bin ich auf der Suche nach Formen und Strukturen, die in mir eine Resonanz hervorrufen, weil sie mich an eine verborgene natürliche Ordnung der Dinge erinnern. Fraktale Geometrie zu schaffen ist für mich die Möglichkeit, einer unsichtbaren, unausgesprochenen und schwer fassbaren universellen Struktur eine Gestalt zu geben.